An der Einkaufstheke fällt die Entscheidung über die Bedingungen in der Schweinehaltung

Schweine legen keine Eier, doch wenn sie es könnten, würde es ihnen heute auf vielen Höfen bereits deutlich besser ergehen. Zu diesem, hier sehr plakativ formulierten und das Thema damit unberechtigt reduzierenden Fazit konnte man am Mittwochabend nach dem Besuch auf dem Hof Ahrens-Westerlage in Neuenkirchen gelangen. Wieder einmal hatten sich dort Praktiker und Politiker getroffen, um sich beim Schweinehalter über die Umsetzung eines Modellkonzeptes in der offenen Stallhaltung zu informieren und auszutauschen.

Carl Ahrens-Westerlage und Karl Ahrens-Westerlage (rechts) setzen sich seit 14 Jahren für eine Offenstallhaltung in der Schweinemast ein.

Carl Ahrens-Westerlage und Karl Ahrens-Westerlage (rechts) setzen sich seit 14 Jahren für eine Offenstallhaltung in der Schweinemast ein.

 

Initiiert und organisiert wurde dieses Treffen, an dem sich auch der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer beteiligte, vom Ankumer Landtagskandidaten Ralf Gramann (GRÜNE). Eingeladen waren Praktiker wie die Schweinehalter Arnold Usselmann und Richard von der Haar, auch der Bioland-Bauer Detert Brummer-Bange sowie politische Vertreter der GRÜNEN, darunter die Kreistagsabgeordnete Anna Kebschull und kommunalpolitische Akteure wie Günther Hugenberg, Verena Kastner, Bürgermeister Günther Voßkamp (Gerhde) oder auch der Ankumer Ratsherr Philipp Heuer. Wesentlich ergänzt wurde die Runde durch Vertreter des Vereins zur Förderung der Offenstallhaltung von Schweinen e.V. (http://www.Offenstall.com) , in welchem sich auch Karl Ahrens-Westerlage (Senior) und Carl Ahrens-Westerlage als Gründungsmitglieder engagieren.

Der Hof der Familie wurde zu einer vielbesuchten Anlaufstelle in Sachen moderne Tierhaltung und Karl Ahrens-Westerlage ist geübt darin, den Besuchern während seiner Erläuterungen auch immer wieder einmal ein Schmunzeln zu entlocken.

Der Hof der Familie wurde zu einer vielbesuchten Anlaufstelle in Sachen moderne Tierhaltung und Karl Ahrens-Westerlage ist geübt darin, den Besuchern während seiner Erläuterungen auch immer wieder einmal ein Schmunzeln zu entlocken.

 

Die Familie Ahrens-Westerlage begann auf ihrem Hof vor etwa 14 Jahren mit der Haltung von Mastschweinen in Außenklimaställen, in Ställen also, die sich zumindest zu einer Seite hin dem Außenklima öffnen oder einen stetig offenen Außenauslauf bieten. Die Tiere erhalten damit eine ständigen Kontakt zur normalen Außenwelt, während die Möglichkeit zur Kontrolle des Stallklimas (z.B. zur Kontrolle der Zugluft, Luftfeuchtigkeit und Stalltemperatur in den verschiedenen Zonen) erhalten bleibt. Untergebracht in solcher Offenstallhaltung sind 810 der ansonsten konventionell gehaltenen 1.490 Mastschweine.

Offenstallhaltung auf dem Hof Ahrens-Westerlage in Neuenkirchen

Offenstallhaltung auf dem Hof Ahrens-Westerlage in Neuenkirchen

 

Dabei orientiert sich die Belegung der Offenställe an der Richtlinie, jedem Tier mindestens 1,2 m² Bodenraum zu bieten. Ein Maß, welches die Bedingungen der konventionellen Stallhaltung deutlich übersteigt und auf dem Hof Ahrens-Westerlage gemeinhin sogar noch überschritten wird. Ergänzend werden den Tieren Beschäftigungsangebote unterbreitet, beispielsweise durch eine Stroheinlage oder mittels Erde zum Wühlen. Auch eine Berieselung der Stallanlagen ist machbar und während der Stallbegehungen wurde, durch eine gleichlautende Einschätzung des Ministers Christian Meyer gestützt, noch herausgestellt, dass die Emissionen in der Offenstallhaltung häufig niedriger als jener in konventionellen Stallhaltung ausfallen.

Offenstallhaltung auf dem Hof Ahrens-Westerlage in Neuenkirchen

Offenstallhaltung auf dem Hof Ahrens-Westerlage in Neuenkirchen

 

Die damalige Entscheidung der Familie Ahrens-Westerlage zur Einrichtung von Offenställen gründete auf der Absicht, den Tieren eine artgerechte Haltung zu bieten und diese Umstellung in der Unterbringung der Mastschweine wurde, wie Karl Ahrens-Westerlage berichtet, von anderen Landwirten zunächst ein wenig hämisch belächelt. Zumal Offenställe nicht nur betriebliche Anforderungen mit einem höheren Kostenaufwand in der Tierhaltung begründen, die notwendigen Umbauten kollidieren auch immer wieder mit gesetzlichen Vorgaben in den Bereichen Baurecht oder Emmissionsschutz. Das Einreichen von ergänzenden Gutachten und die stetige Auseinandersetzung mit behördlichen Entscheidungen geriete so schon fast zum landwirtschaftlichen Tagesgeschäft.

Die offene Stallhaltung bietet mindestens zu einer Seite eine Öffnung des Stalls zum Außenklima

Die offene Stallhaltung bietet mindestens zu einer Seite eine Öffnung des Stalls zum Außenklima

 

Erst in den letzten Jahren sei das Engagement dann auch wirtschaftlich lohnend geworden, nicht zuletzt weil der Betrieb Fördermittel aus der Initiative Tierwohl (eine Initiative des Lebensmittel-Einzelhandels) erlangen konnte und mittlerweile Prämien für intakte Ringelschwänze aus einem Budget des Landes Niedersachsen erhalte. Intakte Ringelschwänze gelten in der Schweinezucht und -mast gemeinhin als Indikator für eine artgerechte und schützende Tierhaltung, auch wenn die Belastbarkeit dieses Merkmals im Zusammenhang mit der sogenannten Ringelschwanzprämie oft kontrovers diskutiert wurde und wird. Als unbestritten gilt mithin, dass die Neigung der Schweine zum Kanabalismus abnimmt, wenn die Tiere mehr Bewegungsraum und ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten erhalten.

Ralf Gramann (rechts),Initiator des Treffens und hier mit Agrarminister Christian Meyer (links) und Carl Ahrens-Westerlage, betrachtet die auf dem Hof Ahrens-Westerlage in Neuenkirchen mit viel Idealismus verwirklichte Tierhaltung als zukunftsweisend und erachtet eine Unterstützung solcher Initiativen für den Tierschutz und das Tierwohl in der Schweinemast als dringend geboten. Er sieht hierbei den Gesetzgeber in der Pflicht, beispielsweise bei der Anpassung des Baurechts, doch ebenso die Discounter und den Einzelhandel. Letztlich müsse sich aber auch der Verbraucher als Glied am Ende der Kette zur Akzeptanz einer angemessenen Preisgestaltung durchringen.

Ralf Gramann (rechts),Initiator des Treffens und hier mit Agrarminister Christian Meyer (links) und Carl Ahrens-Westerlage, betrachtet die auf dem Hof Ahrens-Westerlage in Neuenkirchen mit viel Idealismus verwirklichte Tierhaltung als zukunftsweisend und erachtet eine Unterstützung solcher Initiativen für den Tierschutz und das Tierwohl in der Schweinemast als dringend geboten. Er sieht hierbei den Gesetzgeber in der Pflicht, beispielsweise bei der Anpassung des Baurechts, doch ebenso die Discounter und den Einzelhandel. Letztlich müsse sich aber auch der Verbraucher als Glied am Ende der Kette zur Akzeptanz einer angemessenen Preisgestaltung durchringen.

 

Zur hinreichenden Etablierung der Offenstallhaltung auf dem Markt ist und bleibt letztendlich die Wirtschaftlichkeit bedeutsam. Eine Förderung über Prämien sei dabei zwar stützend, doch nicht ausreichend, betonten Bert Mutsaers (Geschäftsführer der Wurst und Schinkenmanufaktur Bedford in Osnabrück) und Carsten Leiber (Verein zur Förderung der Offenstallhaltung) einvernehmlich mit den am Gespräch teilnehmenden Schweinehaltern. Rahmenbedingungen im Baurecht und im Emissionsschutz müßten dem geäußerten Willen zu einer artgerechten und schützenden Tierhaltung angepasst werden und vor allem brauche es die Bereitschaft des Einzelhandels, den Kunden an der Einkaufstheke das Schweinefleisch aus der artgerechten Tierhaltung zu einem angemessenen Preis anzubieten. Denn einen Zweifel an der Kaufbereitschaft der Kunden hegen die Vertreter des Vereins zur Förderung der Offenstallhaltung von Schweinen e.V. aktuell nicht, sie bedauern aber das nicht ausreichende Angebot des Produkts an der Einkaufstheke. Eine Unterstützung der Kundeninformation sei gleichwohl unverändert erforderlich, auch um eine Orientierung bei der Produktauswahl im Einzelhandel zu ermöglichen. Dieses sei allein über Informationen auf der Verpackung nicht machbar, meint Bert Mutsaers.

Ohne koventionelle Stallhaltung geht es bislang nicht. Noch sind 680 Schweine in konventionellen Ställen untergebracht.

Ohne koventionelle Stallhaltung geht es bislang nicht. Noch sind 680 Schweine in konventionellen Ställen untergebracht.


Gedacht wird an die Etablierung eines Labelsystems mit verschiedenen Preisstufen, vergleichbar jener Prokuktkennzeichnungen und Klassifizierungen, wie sie im Handel mit Hühnereiern durchgesetzt wurden. Dass die Hühnerei-Label in Verbindung mit dem daraus folgenden Kaufverhalten positive Rückkopplungen auf die Methoden in der Hühnerhaltung bewirkten, sieht und bestätigt auch der Agrarminister. Christian Meyer betonte in einem abschließenden Gespräch jedoch, dass der Weg hin zum “Stall der Zukunft”, einhergehend auch mit dem Umschichten von Fördermitteln und der Herstellung eines veränderten gesellschaftlichen Bewußtseins, nur schrittweise zu bewältigen sei.

 

 

Quelle

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Ankum.Info

 

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